Wie ich zur Grafik gekommen bin

Als Bekleidungstechnikerin habe ich auf der Arbeit meine technischen Skizzen mit dem Programm Freehand und später mit Adobe Illustrator erstellt. In meiner ersten Elternzeit 2005 erstellte ich für meine Firma ein Handbuch von zuhause aus, weshalb ich das Zeichenprogramm auf meinem Computer installiert hatte.
Als meine Freundin Silke mir erzählte, dass sie für ein neues Vertriebsstandbein ein Logo benötigte, sagte ich zu ihr: "Soll ich mal etwas machen?" Sie fragte zurück: "Kannst Du das?" Ich: "Keine Ahnung. Ich habe ein Zeichenprogramm und könnte es ausprobieren."
Da es nichts zu verlieren gab, hat sie mir ihre Vorstellung mitgeteilt und ich habe einfach losgelegt. Es sind drei Entwürfe entstanden, die ich ihr am gleichen Tag noch zugeschickt habe.
Wenig später rief sie mich an, dass sie den zweiten Entwurf nehmen würde. Dieser würde auch ihren Kunden am besten gefallen. Ich war sprachlos, da ich damit überhaupt nicht gerechnet hatte.
Dann fragte Silke mich: "Kannst Du mir nun Visitenkarten und einen Briefbogen mit dem Logo machen?" Meine Antwort lautete: "Keine Ahnung, aber ich kann es ausprobieren."
Es ist mir gelungen und es folgte das Layout u. a. für Flyer, Präsentationsmappen, Werbematerialien, Anzeigen und den Messeauftritt. Die Webpräsenz habe ich ebenfalls mitgestaltet und meine besondere Fähigkeit, das Korrekturlesen, kam gleichfalls zum Einsatz. Silke verpasste mir liebevoll den Namen 'Miss Eagle-Eye'.

Mein PC ist mein kreatives Medium

Ich war überrascht von mir, wie kreativ ich war und was möglich war. Bis zu dem Zeitpunkt hatte ich mich eher nicht kreativ eingestuft. Welch großer Irrtum! An meinem Computer fühle ich mich wohl und kann meiner Kreativität freien Lauf lassen.
Als Silkes Kunden später individualisierte Flyer wünschten, habe ich 2008 ein Gewerbe als Grafikerin angemeldet. Neben der Basis, die mir auf meiner Arbeit gelehrt wurde, habe ich mir mein Wissen beim Ausprobieren und Machen selbst angeeignet. Jeder besondere Kundenwunsch war eine Herausforderung, durch die ich meine Kenntnisse erweitern konnte.

Layout for you

Warum auch immer habe ich mein Gewerbe 'Layout for you' genannt. Beim Nachdenken über mögliche Namen war es das Einzige, was sich rund für mich anhörte.
Um eine Visitenkarte und einen Briefkopf zu erstellen, benötigte ich ein Logo, zu dem ich keine Idee hatte. Meine Lieblingsfarbe Orange war schnell als Hauptfarbe für mein Corporate Design gesetzt.
Auf dem Weg zum Tiere Anschauen mit meiner kleinen Tochter im Faunapark Solingen führte mich das Navigationsgerät durch eine kleine Seitenstraße. Mein Blick fiel auf eine Häuserwand, die künstlerisch gestaltet war. Das in den Putz eingearbeitete Kunstwerk verlief hochkant und zeigte Kreise und eine Wellenlinie. Dies war die Inspiration zu meinem Logo kombiniert mit meiner Liebe zu Farben.

Logo von layout for you

Mein Gewerbe habe ich nie großartig beworben. Dennoch hatte ich immer wieder Kunden, die aufgrund von Weiterempfehlung zu mir kamen. Mancher Auftrag ergab sich aus Gesprächen. Wenn jemand sein Bedürfnis nach grafischen Tätigkeiten äußerte, habe ich mich angeboten. So wurde aus einem Hobby ein kleiner Nebenjob, der mir sehr viel Freue bereitete und insbesondere in meiner zweiten Elternzeit eine Abwechslung zum Mutter- und Hausfrauendasein darstellte.

Eine Visitenkarte ist immer ein Stück Persönlichkeit 

Mein Ansatz und Anspruch als Grafikerin gehen über das Setzen von Text, Bildern und Grafiken hinaus. Grundsätzlich ist eine Visitenkarte ein Stück Papier mit Kontaktdaten. Doch für mich ist es mehr als das. Mir ist es sehr wichtig, dass der Kunde seine Daten mit Freude weitergibt.

Beim Entwicklungsprozess stelle ich enorm viele Fragen, damit am Ende alles hinterfragt ist, der Kunde alles durchdacht und durchfühlt hat. Er entscheidet zwischen Alternativen, was ihm besser gefällt, denn es ist seine Persönlichkeit, der er Ausdruck verleiht. Ich verstehe mich als Wegbegleiter meines Kunden mit der Aufgabe, Antworten und damit Selbstfindung an die Oberfläche zu holen. Mit meinen Fragen schaffe ich Bewusstsein. Des Weiteren bin ich sein "Werkzeug", in dem ich seine Persönlichkeit grafisch oder auch textlich zu Papier bringe. Am Ende hält er ein Ergebnis in den Händen, hinter dem er zu 100 % steht, das zu 100 % seins ist. Die Kundenäußerung 'es ist genau so, wie ich es wollte, ohne es zu wissen' spiegelt meine Arbeit wider.

Mein kreatives Arbeiten erfolgt auch in diesem Bereich intuitiv

Wenn mich ein Kunde fragt, welche Vorstellung ich habe, antworte ich immer: keine. Ich weiß nie vorher, was passiert. Es entsteht meistens erst, wenn ich am PC sitze. Es zeigt sich, was sich zeigen will.

Ich lasse mich auf den Menschen und seine Worte ein. Es geht nicht um meine Vorstellung, sondern um seine. So entstehen Logos aus Gesprochenem, wenn der Kunde sich öffnet und mir von seiner Arbeit erzählt. Mein Kreativhirn verarbeitet diese Informationen und aus der Energie heraus zeigt sich das Passende.

Was aus der Intuition entsteht, ist perfekt!

mobiler Fußengel Visitenkarte

Eine Kundin ist Fußpflegerin. Sie hat keine Praxis, sondern fährt zu ihren Kunden. Sie kam mit dem Wunsch für einen Flyer zu mir. Ich konnte sie leicht davon überzeugen, dass eine Visitenkarte Sinn macht und sie für einen Wiedererkennungswert auch ein Logo bräuchte. Sie hatte aber keine Idee, wie ihr Logo aussehen oder ihr Unternehmen heißen könnte.
Ich ließ sie erzählen, wie sie arbeitet. Unter anderem teilte sie mir mit, dass die Menschen zu ihr sagen, dass sie ein Engel für sie wäre. Sie hat eine sehr ruhige, liebevolle und sanfte Art an sich. Diese konnte ich selbst am Telefon wahrnehmen. Ich fragte sie nach ihren Lieblingsfarben und später am Computer ergab sich ein Logo mit stimmigem Text. Sie war begeistert.  

Wenn jemand seine Dienstleistung anbietet, dann soll er dies mit einem Strahlen machen!

Ich hatte eine Kundin, der ich neben Visitenkarten und Briefbogen auch Flyer erstellt habe. Nachdem sie diese erhalten hatte, rief sie mich an, dass die Flyer so schön wären, dass sie sie gar nicht weitergeben wollte. Ein besseres Kompliment hätte sie mir nicht geben können.

Wieviel anziehender ist jemand, der mit einem Leuchten seine Berufung lebt und dazu eine authentische Visitenkarte oder Flyer zur Hand hat? Das, was zwischen Worten transportiert wird, ist viel wesentlicher und bleibt beim Interessenten hängen. Es ist der sogenannte bleibende Eindruck.

Was nicht passt, fühlt sich auch nicht passend an!

Eine Kundin, die durch die gemeinsame Arbeit zu einer Freundin wurde, erzählte mir von einer lieben Bekannte, die unglücklich mit einem Visitenkartenentwurf wäre, den sie von einer großen Werbeagentur bekommen hatte. Sie fragte mich, ob sie meine Telefonnummer weitergeben könnte. Na klar. Ich erhielt den Entwurf der Visitenkarte und sprach mit Ingrid, die Finanzberaterin ist. Ohne sie zu kennen, stellte ich die Frage: "Mögen Sie die Farbe Blau?" Es war neben einem Grün die vorherrschende Farbe. Sie sagte zu mir: "Blau ist die Farbe der Finanzwelt." Ich entgegnete ihr: "Das war nicht meine Frage. Ich möchte wissen, ob Sie die Farbe Blau mögen." Nach einer Pause ließ sie mich wissen: "Nein, ich mag lieber ein kaltes Rot."
Kein Wunder, dass Ingrid nicht glücklich war mit Ihrer Visitenkarte. Sie enthielt eine Farbe, die nur aus dem Verstand heraus ihre Begründung hatte. Ansonsten hatte sie zu der Farbe Blau keinen Zugang.

Interview mit Deinem Cashflow - Buch von Ingrid Elisabeth Hennrich

Ich hatte noch andere Anmerkungen zu dieser Visitenkarte, die so aussah, als käme sie von der Stange. Ich erkannte direkt zu viele Informationen in einer sehr kleinen und schlecht lesbaren Schrift. Zusätzlich wurde ihr Vor- und Nachname in zwei verschiedenen Farben geschrieben. Für mich ist ein Name eine Einheit. Ich würde ihn niemals trennen.

Meine Gedanken zu dem Entwurf überzeugten Ingrid, so dass sie eine neue Kundin wurde und nun zu meinen Lieblingsmenschen zählt. Ich habe sie als Grafikerin oft auf ihrem beruflichen Weg begleiten dürfen. Eine besondere Ehre war für mich, sie bei der Entstehung ihres Buches "Rendezvous mit deinem Cashflow" als Gesprächspartnerin und Lektorin zu unterstützen, welches noch in diesem Jahr erscheinen wird.

Alles aus meiner Hand

Es ist sehr wertvoll für mich, dass ich außer der Druckerei niemanden benötige, um meine Werke entstehen zu lassen. Ich kann allein gestalten, ohne dass jemand Einfluss auf mein Layout nimmt.

Darum habe ich mich auch dagegen entschieden, meine Wortkunst über einen Verlag zu veröffentlichen. Ich will mich nicht anpassen müssen sondern einfach ich sein.
Die Vorstellung eines Verlagslogos auf meinen Büchern sowie eines Barcodes für eine ISBN stoßen innerlich bei mir direkt auf Ablehnung. Es stört mein ästhetisches Empfinden für meine Werke. Somit ergibt sich als Zusammenfassung für meine Sonnenstrahlen, die mit Liebe entstehen:

Meine Wortkunst, die ausgeprägte Kreativität und die daraus entstandenen Werke sind ein Teil meiner strahlenden Persönlichkeit.

 

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